Wo soll ich anfangen…
Also meine Gastmutter Mariam hatte den Plan am Sonntagmorgen
nach Tansania zu fliegen. Eine Konferenz auf der sich Institutionen aus Ost-und
Südafrika treffen, die Volontäre bei sich haben.
Naja so eine Woche weg von zu Hause muss natürlich gut organisiert
sein. Die 2 jährige Tochter, Misha lebt ja in Kampala bei der Großmutter; so
wurden die anderen drei Kinder plus Aunti auch dorthin verfrachtet.
Damit ich nicht so allein bin, sollte Mariams Nichte Aisha vorbeikommen.
Am Freitag sollte das ganze losgehen. So der Plan, nun die ugandische
Umsetzung. Als ich am Freitag nachhause kam, waren natürlich noch alle da, plus
einige Fremde, die sich im Wohnzimmer aufhielten. Obwohl einen kannte ich.
Bashir´s (Gast“vater“) Bruder. Ich fragte Sainab wer die Anderen sind sie
wusste es nicht. Warum sie noch nicht in Kampala sind konnte sie mir auch nicht
sagen, aber es solle morgen in aller Früh losgehen. Morgens waren natürlich
noch alle da. Auch die unbekannten, die im Wohnzimmer geschlafen haben. Einige
frühstückten; Mariam ging zur Schule. Ich besorgte ein Stück Kernseife und
machte mich an meine Wäsche. Nach einer Stunde kniend über drei Schüsseln
Seifenwasser, mein Resultat: Bisherige Ansprüche an Sauberkeit und frischem
Geruch werden ab jetzt runtergeschraubt und ich trage nie wieder weiß!
Ich skype in das verschneite Deutschland und erfahre, dass
mein Papa zu Besuch kommt. Juhu!
Ich ging auf den Markt und später an den Strand. Als ich
dort auf meine Verabredung (deutsche Kollegin) wartete, kamen einige die ich
beim letzten Mal kennenlernte und zwei ugandische Mädchen, die gerade heraus fragten,
ob ich ihre neue beste Freundin sein will… Oh haaa Uganda!
Nach Sonnenuntergang wurde die Musik, wenn den der Generator
lief (Strom war das ganze Wochenende aus) immer lauter und der Sandstrand wurde
zu einer Tanzfläche und wir tanzten unter den Sternen bis spät in die Nacht hinein
(das bedeutet auf ugandisch: bis um max.10 Uhr). Zwischendurch rief mich meine
Mum an, ich konnte sie aber nicht verstehen und schrieb eine Simse. Zu Hause
angekommen. Die sonst immer sperrangelweit offen stehende Tür verschlossen.
Kein Licht im Haus. Ich klopfte und hoffte auf die Hilfe der „Taubstummen“.
Keine Reaktion. Ich versuchte Mariam anzurufen. Kein Guthaben. So musste ich
warte, ob und wann was passiert. Mhhhh… Nach ca. 20min kam ein Auto. Mariam,
ihr „Mann“ und das Mädchen stiegen aus. Sie wollten ja eigentlich nur die
Kinder wegbringen, hätte man auch in einer Stunde erledigen können, aber das
wäre ja nicht der ugandische Weg.
Da kein Strom war verkrümelte ich mich ins Bett.
Am Sonntag wurde ich aus meinem normalerweise sehr tiefen
Schlaf gerissen. Knallende Türen, da ist wohl jemand in Eile, Flugzeiten
richten sich nämlich nicht nach der ugandischen zweistündigen Verspätung.
Ich weiss, ich weiss eigentlich dürfte ich ja gar nicht den
Mund aufmachen, aber diese Planlosigkeit und das grundlose Verspäten, machen mich
ganz rasend, weil da ja so viel wertvolle Zeit drauf geht. Aber das läuft hier
halt anders.
Als ich dann aufgestanden bin, war Bashir da, aß Frühstück
und verschwand. Das Mädchen war auch da. Sie wusch ungelogen 5 Stunden Wäsche.
5 Stunden! Und wir beschweren uns über schnell mal Wäsche aufhängen oder
abnehmen. Naja ich nutze die Zeit, versuchte mit ihr zu reden und wusch das
Geschirr ab und nach den 5 Stunden waren wir soweit, sie verriet mir ihren
Namen. „Sumaya“. Doch sie sprach nicht. Ich frage was und sie setzt einen
starren Blick auf und ignoriert mich. Ich bin hilflos. Woran liegt es?? Hasst
sie Weiße? Ist sie sauer, dass sie hier sein muss? Zuviel Arbeit? Keine Ahnung!
Ich hatte ja eigentlich den Plan nach Kampala zu Mariam´s
Nichte zu fahren. So der Plan, daraus wurde natürlich nichts. Bis ich die
Nummer heraus bekommen habe, war die Veranstaltung in der Universität schon im
Gange.
Also ein Spaziergang! Kurz bevor ich mich aufmachen wollte,
kam mein Gastvater. Er findet ja, dass man am Sonntag überhaupt nichts machen
sollte und berichtete mir von seinen Hobbies… Novellen lesen, Musik hören,
Filme schauen und aufs Wasser schauen. Das ist wahrscheinlich der Unterschied
zwischen uns.
Außerdem ist er Moslem. Naja, ich habe ja gegen niemanden
was, aber stellenweise bestätigen sich Klischees.
Ich machte mich auf, ich vermisse die Anderen. Mit denen
kann ich wenigsten sprechen. Bashir und Sumaya sind die Einzigen, mit denen ich
mich nicht unterhalten kann. Er meinte ich spreche zu schnell. Ich hab keine
Ahnung. Ich fragte Sumaya, warum sie nicht mit mir spricht. Hat sie Angst,
versteht sie mich nicht, oder was ist es. Doch sie antwortete wie immer nur mit
einem starren Blick. Nach einem African Coffé und einem Telefonat mit Anja sah
die Sache schon wieder besser aus.
Ich bin froh, weil eigentlich habe ich genau das gefunden
wonach ich gesucht habe. Eine Herausforderung und Etwas, das unbeschreiblich
anders ist zu dem was ich kenne und lebe.
Nach einem Spaziergang, dem Strand und einem beruhigen
Päuschen an einem meiner Lieblingsorte, vor Anke´s Schule, ging ich nachhause
und siehe da- Sumaya erwiederte mein Lächeln und brubbelte ein „Hallo“ vor sich
hin. Wow, das Eis ist gebrochen.
Sie hing vor dem Berg getrockneter Wäsche. Wir sprachen. Ich
sprach langsam und verstand, dass sie nur sehr gebrochen Englisch spricht. Sie
deutete auf ihren Fuß, der große Zeh war auf die Größe meiner Faust
geschwollen. Sie hatte Schmerzen. Die Verletzung ist eine Woche alt und beim
Graben im Boden passiert. Sie wohnt auf dem Dorf, da macht man das so. Sie ist
16 Jahre alt, im Dorf sprechen alle ihre eigene Sprache und sie geht zur
Schule, da lernt sie Englisch. Okay, das erklärt einiges. Von Deutschland hat
sie noch nie was gehört. Ich versuche ihr zu erklären, was eine Pizza ist.
Etwas später stellen wir fest, dass alle Häuser Strom haben
außer uns. Ich frage den Nachbarn. Er kommt mit rüber, fummelt am Stromkasten
rum und sagt, dass wenn alle Strom haben, ist bei uns was kaputt ein Elektriker
müsse kommen. Er gibt mir die Nummer des Eigentümers der Häuser. Ich rufe an,
schildere das Problem. Sie will zurückrufen. Eine halbe Stunde später ruft sie
an und gibt wieder was ich ihr beim ersten Telefonat erzählt hatte. Alle
anderen haben wieder Strom, nur wir nicht. Naja ich solle doch versuchen Mariam
zu erreichen. Als ob die aus Tansania, das Problem beheben könne. Natürlich ist
ihr Telefon aus. Ich rufe Bashir an. „Er kommt gleich.“ Eine Stunde später
steht er auf der Couch und fummelt am Stromkasten rum. Seine Diagnose „Da muss
was kaputt sein! Ein Elektriker muss kommen“ Er ruft einen Kumpel an. Er kommt dreht mit
einem Schraubenzieher im Stromkasten rum und der Strom ist wieder da. Juhuuuu!
10 Minuten später Stromausfall in der ganzen Stadt. Willkommen in Uganda.
Ich zeige ihm den dicken Zeh seiner Schwester. Er schaut und
verabschiedet sich um Kerzen zu besorgen. Um 23 Uhr ruft er an und sagt ich
könne die Tür abschließen er kommt heute nicht mehr Heim.
Der restliche Abend mit Sumaya verlief aber gut. Mit meiner
Taschenlampe lasen wir uns gegenseitig vor. Ich behandelte ihren Zeh mit
Propolis.
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