Montag, 10. Dezember 2012

Mein erstes Wochenende und somit ist meine erste Woche rum.


Wo soll ich anfangen…

Also meine Gastmutter Mariam hatte den Plan am Sonntagmorgen nach Tansania zu fliegen. Eine Konferenz auf der sich Institutionen aus Ost-und Südafrika treffen, die Volontäre bei sich haben.

Naja so eine Woche weg von zu Hause muss natürlich gut organisiert sein. Die 2 jährige Tochter, Misha lebt ja in Kampala bei der Großmutter; so wurden die anderen drei Kinder plus Aunti auch dorthin verfrachtet.

Damit ich nicht so allein bin, sollte Mariams Nichte Aisha vorbeikommen. Am Freitag sollte das ganze losgehen. So der Plan, nun die ugandische Umsetzung. Als ich am Freitag nachhause kam, waren natürlich noch alle da, plus einige Fremde, die sich im Wohnzimmer aufhielten. Obwohl einen kannte ich. Bashir´s (Gast“vater“) Bruder. Ich fragte Sainab wer die Anderen sind sie wusste es nicht. Warum sie noch nicht in Kampala sind konnte sie mir auch nicht sagen, aber es solle morgen in aller Früh losgehen. Morgens waren natürlich noch alle da. Auch die unbekannten, die im Wohnzimmer geschlafen haben. Einige frühstückten; Mariam ging zur Schule. Ich besorgte ein Stück Kernseife und machte mich an meine Wäsche. Nach einer Stunde kniend über drei Schüsseln Seifenwasser, mein Resultat: Bisherige Ansprüche an Sauberkeit und frischem Geruch werden ab jetzt runtergeschraubt und ich trage nie wieder weiß!

Ich skype in das verschneite Deutschland und erfahre, dass mein Papa zu Besuch kommt. Juhu!

Naja Nachmittag war die Familie immer noch vereint. Mariam erklärte mir, dass das unbekannte nicht sprechende Mädchen Bashir´s Schwester sei und sie die Woche über bei mir ist. Gut gut….

Ich ging auf den Markt und später an den Strand. Als ich dort auf meine Verabredung (deutsche Kollegin) wartete, kamen einige die ich beim letzten Mal kennenlernte und zwei ugandische Mädchen, die gerade heraus fragten, ob ich ihre neue beste Freundin sein will… Oh haaa Uganda!

Naja irgendwann kamen die Jungs Mosi, Ronny, Franko (Uganda) mit denen wir auch verabredet waren und später Henrike und irgendwann waren wir eine große „mixed bubble“ aus Deutschen und Ugandan, schwarz und weiß; und verbrachten den Nachmittag Volleyball spielend am Strand. J Mosi ist „auch“ Lehrer, wir verstehen uns sehr gut (Freundschaftlich) und es tut gut mit ihm zu reden, weltoffen und kritisch.

Nach Sonnenuntergang wurde die Musik, wenn den der Generator lief (Strom war das ganze Wochenende aus) immer lauter und der Sandstrand wurde zu einer Tanzfläche und wir tanzten unter den Sternen bis spät in die Nacht hinein (das bedeutet auf ugandisch: bis um max.10 Uhr). Zwischendurch rief mich meine Mum an, ich konnte sie aber nicht verstehen und schrieb eine Simse. Zu Hause angekommen. Die sonst immer sperrangelweit offen stehende Tür verschlossen. Kein Licht im Haus. Ich klopfte und hoffte auf die Hilfe der „Taubstummen“. Keine Reaktion. Ich versuchte Mariam anzurufen. Kein Guthaben. So musste ich warte, ob und wann was passiert. Mhhhh… Nach ca. 20min kam ein Auto. Mariam, ihr „Mann“ und das Mädchen stiegen aus. Sie wollten ja eigentlich nur die Kinder wegbringen, hätte man auch in einer Stunde erledigen können, aber das wäre ja nicht der ugandische Weg.

Da kein Strom war verkrümelte ich mich ins Bett. 

Am Sonntag wurde ich aus meinem normalerweise sehr tiefen Schlaf gerissen. Knallende Türen, da ist wohl jemand in Eile, Flugzeiten richten sich nämlich nicht nach der ugandischen zweistündigen Verspätung.

Ich weiss, ich weiss eigentlich dürfte ich ja gar nicht den Mund aufmachen, aber diese Planlosigkeit und das grundlose Verspäten, machen mich ganz rasend, weil da ja so viel wertvolle Zeit drauf geht. Aber das läuft hier halt anders.

Als ich dann aufgestanden bin, war Bashir da, aß Frühstück und verschwand. Das Mädchen war auch da. Sie wusch ungelogen 5 Stunden Wäsche. 5 Stunden! Und wir beschweren uns über schnell mal Wäsche aufhängen oder abnehmen. Naja ich nutze die Zeit, versuchte mit ihr zu reden und wusch das Geschirr ab und nach den 5 Stunden waren wir soweit, sie verriet mir ihren Namen. „Sumaya“. Doch sie sprach nicht. Ich frage was und sie setzt einen starren Blick auf und ignoriert mich. Ich bin hilflos. Woran liegt es?? Hasst sie Weiße? Ist sie sauer, dass sie hier sein muss? Zuviel Arbeit? Keine Ahnung!

Ich hatte ja eigentlich den Plan nach Kampala zu Mariam´s Nichte zu fahren. So der Plan, daraus wurde natürlich nichts. Bis ich die Nummer heraus bekommen habe, war die Veranstaltung in der Universität schon im Gange.

Also ein Spaziergang! Kurz bevor ich mich aufmachen wollte, kam mein Gastvater. Er findet ja, dass man am Sonntag überhaupt nichts machen sollte und berichtete mir von seinen Hobbies… Novellen lesen, Musik hören, Filme schauen und aufs Wasser schauen. Das ist wahrscheinlich der Unterschied zwischen uns.

Außerdem ist er Moslem. Naja, ich habe ja gegen niemanden was, aber stellenweise bestätigen sich Klischees.

Ich machte mich auf, ich vermisse die Anderen. Mit denen kann ich wenigsten sprechen. Bashir und Sumaya sind die Einzigen, mit denen ich mich nicht unterhalten kann. Er meinte ich spreche zu schnell. Ich hab keine Ahnung. Ich fragte Sumaya, warum sie nicht mit mir spricht. Hat sie Angst, versteht sie mich nicht, oder was ist es. Doch sie antwortete wie immer nur mit einem starren Blick. Nach einem African Coffé und einem Telefonat mit Anja sah die Sache schon wieder besser aus.

Ich bin froh, weil eigentlich habe ich genau das gefunden wonach ich gesucht habe. Eine Herausforderung und Etwas, das unbeschreiblich anders ist zu dem was ich kenne und lebe.

Nach einem Spaziergang, dem Strand und einem beruhigen Päuschen an einem meiner Lieblingsorte, vor Anke´s Schule, ging ich nachhause und siehe da- Sumaya erwiederte mein Lächeln und brubbelte ein „Hallo“ vor sich hin. Wow, das Eis ist gebrochen.

Sie hing vor dem Berg getrockneter Wäsche. Wir sprachen. Ich sprach langsam und verstand, dass sie nur sehr gebrochen Englisch spricht. Sie deutete auf ihren Fuß, der große Zeh war auf die Größe meiner Faust geschwollen. Sie hatte Schmerzen. Die Verletzung ist eine Woche alt und beim Graben im Boden passiert. Sie wohnt auf dem Dorf, da macht man das so. Sie ist 16 Jahre alt, im Dorf sprechen alle ihre eigene Sprache und sie geht zur Schule, da lernt sie Englisch. Okay, das erklärt einiges. Von Deutschland hat sie noch nie was gehört. Ich versuche ihr zu erklären, was eine Pizza ist.

Etwas später stellen wir fest, dass alle Häuser Strom haben außer uns. Ich frage den Nachbarn. Er kommt mit rüber, fummelt am Stromkasten rum und sagt, dass wenn alle Strom haben, ist bei uns was kaputt ein Elektriker müsse kommen. Er gibt mir die Nummer des Eigentümers der Häuser. Ich rufe an, schildere das Problem. Sie will zurückrufen. Eine halbe Stunde später ruft sie an und gibt wieder was ich ihr beim ersten Telefonat erzählt hatte. Alle anderen haben wieder Strom, nur wir nicht. Naja ich solle doch versuchen Mariam zu erreichen. Als ob die aus Tansania, das Problem beheben könne. Natürlich ist ihr Telefon aus. Ich rufe Bashir an. „Er kommt gleich.“ Eine Stunde später steht er auf der Couch und fummelt am Stromkasten rum. Seine Diagnose „Da muss was kaputt sein! Ein Elektriker muss kommen“  Er ruft einen Kumpel an. Er kommt dreht mit einem Schraubenzieher im Stromkasten rum und der Strom ist wieder da. Juhuuuu! 10 Minuten später Stromausfall in der ganzen Stadt. Willkommen in Uganda.

Ich zeige ihm den dicken Zeh seiner Schwester. Er schaut und verabschiedet sich um Kerzen zu besorgen. Um 23 Uhr ruft er an und sagt ich könne die Tür abschließen er kommt heute nicht mehr Heim.

Der restliche Abend mit Sumaya verlief aber gut. Mit meiner Taschenlampe lasen wir uns gegenseitig vor. Ich behandelte ihren Zeh mit Propolis.







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