Unter meinem Mossinetz wache ich auf. Wir wollten so um 8
fruehstuecken. Die Kinder sind schon in Gange. Ich suche meine Geschenke
zusammen. Papa´s Honig Glass ist kaputt gegangen. Zum Glueck hat´s nur einige
Kuscheltiere erwischt; nach der Waschung kann man sie wieder voneinander
trennen.
Das „Jaegerschnitzel“, schmeckt nach Bananen und Mehl.
Mariam gesellt sich stillend mit einem der Zwillinge dazu.
Sie freut sich riesig über die Geschenke. Die zehnjaehrige Tochter „Zainab“ lerne ich auch kennen. Sie schmueckt sich gleich mit den von mir geschenkten Sachen und laesst die Taschenlampe nicht mehr aus der Hand. Sie starrt mich an, als ich mich mit der stillenden Mariam unterhalten und nebenbei frühstücke. Mariam ist wirklich sehr nett.
„Aunti“ kommt rein und bringt jeden von uns einen Teller
mundgerecht geschnittener Melonenstueckche. Sie tauscht gleich noch die Babies
aus, Mariam wechselt zur anderen Brust und wir quatschen weiter. Sie gibt mir
tolle Tipps.
Dann kommt die Nachbarin und ich beginne meinen Raum in ein
nettes Zimmerchen zu verwandeln. Mariam erzählte mir, dass es ein Zwei-
Zimmer-Haus sei. Ich fuehle mich schlecht, weil der gesamte Rest der Familie hinter
der anderen Zimmertuer hausen muss.
Wir hatten den gesamten Tag keine Elektrizität. Eine
Erfahrung für sich.
Doch man braucht diese auch nicht wirklich. Das Leben ist
darauf abgestimmt. Es geht alles ohne Strom. „Aunti“, ist grossartig. Eine
wirklich nette Frau. Wir haben uns unterhalten und ganz nebenbei hat sie das
Essen vorbereitet, Um dann zu Kochen sind wir mit einer kleinen Feuerschale ums
Haus gegangen. Die Kohleaehnlichen Stuecke wurden angezuendet und im Wind ging
dann alles in Gange. Spaeter wurde die gluehende Schale in die Kueche gebracht
und darauf gekocht.
Das Essen ist lecker. Das Bad eine Katastrophe. Ein Klo, ein
Wasserhahn mit ner Schuessel drunter und viel Wasser auf dem Boden und
ueberall. Dementsprechend sieht auch die Tuer aus. Bald wird sich ein Guckloch
durchschimmeln.
Am Vormittag besorgte
ich mit Zainab´s Hilfe eine Telefonkarte und Guthaben. Leider konnten wir die
Karte nicht aktivieren. Dafuer brauche ich eine Kopie meines Ausweises und so,
aber ohne Strom geht das ja nicht.
Mein Computer war heiss begeehrte. „Können wir einen Film
schauen“. Mutter und Tochter sassen glücklich vor meinem Laptop und schauten
bis der Akku leer war.
Am Nachmittag konnte ich dem schoenen Wetter nicht mehr wiederstehen, da ich ja das verlockende „Draussen“ schon kurz sah, wollte ich los.
Erst mal wieder Richtung Telefon-Service-Center meines
Vertrauens (siehe Bild oben, kleine hütte mit rotem schild). Es sassen immer noch dieselben Leute an denselben
Stellen und schauten.
Unsere "Straße"
Ich fuehle mich wie ein Rollstuhlfahrer. Vielleicht versucht
man´s aber man kann einfach nicht wegsehen.
Also alle starren. Ich hoere die Leute auf Englisch oder
Luganda „Weisse“ sagen. Fast alle Kinder winken. Ein passierender Mann
unterbricht sein Telefonat um „Hallo schoene Frau“ zu sagen. Die Leute sind
super nett und hilfsbereit.
...und ehrlich gesagt, kann ich das Starren nachvollziehen.
Neben dem Englaender in Singapur, habe ich noch nie einen so weissen Menschen
gesehen wie mich. Es blendet richtig.
Ich setzte meinen Spaziergang fort und haette mir am liebsten
Brotkrumen gelegt, um auch ja den Weg zurueck zu finden. Auf die Frage nach
unserer Adresse sagte Mariam, niemand kennt Strassennamen, also hilft die
Adresse nicht weiter.
Meine Route stellte sich aus meiner Faszination und
interessanten neuen Einblicken zusammen. Manchmal stolperte ich mit meinen
Flipflops in ein Knietiefes Loch auf der staubigen Lehmstrasse. Ich bin auf den
ersten Regen gespannt.
Es tauchte eine Gruppe Lehmhaeuser mit Strohdaechern neben
der Strasse auf. Eine Schar Kinder rennt auf mich zu. Ich bleib stehen. „Nicht
anfassen! Bitte, nicht anfassen!“ denke ich bei mir. Sie stoppen und stellen
mir freundlich Fragen und beaeugen mich. Ein Junge begleitet mich ein Stueck
und fragt, ob ich denn keine Angst haette. Auf mein „Warum?“ gibt er mir eine
Antwort, die ich aber nicht verstehe. Vielleicht mein Glueck.
Ich kam dem „Maeaeaehhh“ immer Naeher und entdeckte angepflockte
Ziegen links und rechts am Wegesrand die sich fein den Bauch vollschlugen.
Ueberhaupt sind vor jeder Huette hier Ziegen oder Katzen, Kuehe, nackte Babys,
Truthaehne, gerupfte Huehner auf Beinen, Feuer in denen Plastik verbrannt wird,
sogar ein Aeffchen springt herum. Die Leute hocken zusammen und gruessen mir
freundlich.
Ich sitze im Schatten einer Palme auf dem gepflegten Rasen,
geniesse die frische Brise, die von dem meeresgrossen See um meine Nase
weht…Uganda, mir gefaellts hier!!!
Zurueck daheim ist der Schwager zu besuch, er freut sich
unheimlich, als ich ihn mit meinen am Vormittag erlenten Luganda-Kenntnissen
begruesse.
Am Abend erklaert mir meine Gastmutter noch, was ich doch fuer ein Glueck habe im Dezember hier zu sein. Es ist der Heuschrecken-Monat. „Eine Delikatesse“ fuegt sie dem hinzu.
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