Sonntag, 2. Dezember 2012

2 Dezember


Unter meinem Mossinetz wache ich auf. Wir wollten so um 8 fruehstuecken. Die Kinder sind schon in Gange. Ich suche meine Geschenke zusammen. Papa´s Honig Glass ist kaputt gegangen. Zum Glueck hat´s nur einige Kuscheltiere erwischt; nach der Waschung kann man sie wieder voneinander trennen.

Im Wohnraum, keiner da. „Aunti“ biegt um die Ecke. Mit Geschirr in der Hand. Ich soll mich setzten und sie zieht einige Dosen unter der Gardine, die auf dem Tisch liegt hervor. Sie kommt wieder mit einem Teller, gebratener Masse und einer anderen Sorte gebratener Masse. Eins sieht aus wie Jaegerschnitzel von Oma. Ich probiere beides.

Das „Jaegerschnitzel“, schmeckt nach Bananen und Mehl.

Mariam gesellt sich stillend mit einem der Zwillinge dazu.



 

Sie freut sich riesig über die Geschenke. Die zehnjaehrige Tochter „Zainab“ lerne ich auch kennen. Sie schmueckt sich gleich mit den von mir geschenkten Sachen und laesst die Taschenlampe nicht mehr aus der Hand. Sie starrt mich an, als ich mich mit der stillenden Mariam unterhalten und nebenbei frühstücke. Mariam ist wirklich sehr nett.

„Aunti“ kommt rein und bringt jeden von uns einen Teller mundgerecht geschnittener Melonenstueckche. Sie tauscht gleich noch die Babies aus, Mariam wechselt zur anderen Brust und wir quatschen weiter. Sie gibt mir tolle Tipps.






Dann kommt die Nachbarin und ich beginne meinen Raum in ein nettes Zimmerchen zu verwandeln. Mariam erzählte mir, dass es ein Zwei- Zimmer-Haus sei. Ich fuehle mich schlecht, weil der gesamte Rest der Familie hinter der anderen Zimmertuer hausen muss.



















Auf einem Spaziergang am Nachmittag sammele ich noch andere Erkenntnisse.

Wir hatten den gesamten Tag keine Elektrizität. Eine Erfahrung für sich.

Doch man braucht diese auch nicht wirklich. Das Leben ist darauf abgestimmt. Es geht alles ohne Strom. „Aunti“, ist grossartig. Eine wirklich nette Frau. Wir haben uns unterhalten und ganz nebenbei hat sie das Essen vorbereitet, Um dann zu Kochen sind wir mit einer kleinen Feuerschale ums Haus gegangen. Die Kohleaehnlichen Stuecke wurden angezuendet und im Wind ging dann alles in Gange. Spaeter wurde die gluehende Schale in die Kueche gebracht und darauf gekocht.









Das Essen ist lecker. Das Bad eine Katastrophe. Ein Klo, ein Wasserhahn mit ner Schuessel drunter und viel Wasser auf dem Boden und ueberall. Dementsprechend sieht auch die Tuer aus. Bald wird sich ein Guckloch durchschimmeln.



















 Am Vormittag besorgte ich mit Zainab´s Hilfe eine Telefonkarte und Guthaben. Leider konnten wir die Karte nicht aktivieren. Dafuer brauche ich eine Kopie meines Ausweises und so, aber ohne Strom geht das ja nicht.
 

Mein Computer war heiss begeehrte. „Können wir einen Film schauen“. Mutter und Tochter sassen glücklich vor meinem Laptop und schauten bis der Akku leer war.








Am Nachmittag konnte ich dem schoenen Wetter nicht mehr wiederstehen, da ich ja das verlockende „Draussen“ schon kurz sah, wollte ich los.

Erst mal wieder Richtung Telefon-Service-Center meines Vertrauens (siehe Bild oben, kleine hütte mit rotem schild). Es sassen immer noch dieselben Leute an denselben Stellen und schauten.
                                                                                                     Unsere "Straße"

Ich fuehle mich wie ein Rollstuhlfahrer. Vielleicht versucht man´s aber man kann einfach nicht wegsehen.

Also alle starren. Ich hoere die Leute auf Englisch oder Luganda „Weisse“ sagen. Fast alle Kinder winken. Ein passierender Mann unterbricht sein Telefonat um „Hallo schoene Frau“ zu sagen. Die Leute sind super nett und hilfsbereit.

...und ehrlich gesagt, kann ich das Starren nachvollziehen. Neben dem Englaender in Singapur, habe ich noch nie einen so weissen Menschen gesehen wie mich. Es blendet richtig.

Ich setzte meinen Spaziergang fort und haette mir am liebsten Brotkrumen gelegt, um auch ja den Weg zurueck zu finden. Auf die Frage nach unserer Adresse sagte Mariam, niemand kennt Strassennamen, also hilft die Adresse nicht weiter.

Meine Route stellte sich aus meiner Faszination und interessanten neuen Einblicken zusammen. Manchmal stolperte ich mit meinen Flipflops in ein Knietiefes Loch auf der staubigen Lehmstrasse. Ich bin auf den ersten Regen gespannt.

Es tauchte eine Gruppe Lehmhaeuser mit Strohdaechern neben der Strasse auf. Eine Schar Kinder rennt auf mich zu. Ich bleib stehen. „Nicht anfassen! Bitte, nicht anfassen!“ denke ich bei mir. Sie stoppen und stellen mir freundlich Fragen und beaeugen mich. Ein Junge begleitet mich ein Stueck und fragt, ob ich denn keine Angst haette. Auf mein „Warum?“ gibt er mir eine Antwort, die ich aber nicht verstehe. Vielleicht mein Glueck.  

Ich kam dem „Maeaeaehhh“ immer Naeher und entdeckte angepflockte Ziegen links und rechts am Wegesrand die sich fein den Bauch vollschlugen. Ueberhaupt sind vor jeder Huette hier Ziegen oder Katzen, Kuehe, nackte Babys, Truthaehne, gerupfte Huehner auf Beinen, Feuer in denen Plastik verbrannt wird, sogar ein Aeffchen springt herum. Die Leute hocken zusammen und gruessen mir freundlich.

 

Ich bin fasziniert vom Gruen und biege in eine kleine Bananenplantage. Eine Horde Kinder, die Wasserkanister, den Huegel hinauf auf dem Kopf tragen tragen (zum Teil freihaendig), kommt mir entgegen. Alle erwidern mein Laecheln.





















Dann steht da dieser riesige Bulle mit seinen Riesenhoernern am Strassenrand und weisse Voegel staken durchs Gras. Ein, ich glaube Pelikan fliegt ueber meinen Kopf und zwischen den Palmenblaettern sehe ich das Blau des Viktoriasees am Fusse des Berges schimmern. Das perfekte Ziel fuer meinen Spaziergang. Ich schlaengele mich durch die Weg und Trampelpfade an Hausern vorbei den Huegel  hinab und erreiche den See mit Hilfe der freundlichen Einheimischen. Gruene Wiesen, schattenspendende Palmen und Cafés zieren das Ufer. Ich schwitze. Von dem ausdruecklichen Badeverbot, wegen der sich im Viktoriasee befindenden Wuermer, die sich unter die menschliche Haut graben, lassen sich die Badegaeste nicht abhalten.

Ich sitze im Schatten einer Palme auf dem gepflegten Rasen, geniesse die frische Brise, die von dem meeresgrossen See um meine Nase weht…Uganda, mir gefaellts hier!!!

Zurueck daheim ist der Schwager zu besuch, er freut sich unheimlich, als ich ihn mit meinen am Vormittag erlenten Luganda-Kenntnissen begruesse.










Am Abend erklaert mir meine Gastmutter noch,  was ich doch fuer ein Glueck habe im Dezember hier zu sein. Es ist der Heuschrecken-Monat. „Eine Delikatesse“ fuegt sie dem hinzu.
 
 
Unser Haus

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