Freitag, 14. Dezember 2012

Ausflug aufs Land


Agnes wartete Startklar mit ihrem Fahrer auf mich. Albert kam auch mit und wir fuhren von der Schule in Entebbe Richtung Kampala, quälten uns durch den schrecklichen Verkehr der Hauptstadt in brütender Hitze und weiter nach Wandegeya. Das ist ein kleines Dörfchen fernab von asphaltierten Straßen und mitten in atemberaubender Natur.

Der einzige Weg zum Dof

Hier hat unsere Schule ein „Stückchen“ Land. Eigentlich ziemlich groß.

Ich erzählte nämlich Agnes, dass wir über eine Spende nachdenken und sie meinte, dort wäre es super angebracht und wollte mir den Ort zeigen.

Ich fand´s perfekt, weil besser kann ja Garnichts zur Philosophie meiner Eltern passen.

Also vor uns lagen zwei riesen große Felder voll mit Kartoffelstauden,  Bananenbäumen, Cassava-sträuchern, Mango-und Jackfruitbäumen(übrigens meine neue Lieblingsfrucht!), einer kleinen Tomatenplantage, Kürbissen und sogar Viehhaltung, also Schweine und Hühner.

Wir kämpften uns durch die kniehohen Kartoffelgewächse und schauten uns alles, aber wirklich alles an. Der Farmer ist nämlich sehr stolz über seine Erfolge. Es ist ein wundervoller Ort, an einem Südhang mit Blick über die grünen Weiten Ugandas.

Ich hatte mir erhofft, dass unsere Kinder von der Early Learning in die Landwirtschaft mit einbezogen werden können, doch leider ist das Land viel zu weit weg von unserer Schule und zweitens ist es so, dass die Erträge verkauft werden und das Geld an die Early Learning kommt. Natürlich ist das alles super, aber vielleicht kann man ja ein paar Tiere und Landwirtschaft näher an die Kinder bringen, so kann man tolle Projekte starten und die Kinder bekommen mal was anderes außer Poschu (Maismehlteig) und Bohnen zwischen die Zähne, dass gibt’s nämlich JEDEN Tag zum Mittag UND Abendbrot (Alles ohne Gewürze). Über eine Schüssel Reis freuen sich die Kinder schon ein Loch in den Bauch. Was wäre da erst wenn eine selbst geerntete Kartoffel auf den Teller kommt oder ein Ei vom eigenen Huhn oder gar Fleisch!? Natürlich ist es ein Waisenhaus und die Mittel sind begrenzt, doch es ist ja auch ein Stück Bildung, die die Kinder missen, da sie nicht in einem Familienhaushalt groß werden. Naja wir werden sehen, vielleicht kann man ja was bewegen J










 
Nach einem tollen Mittagessen (Reis und Kartoffeln), ich weiß es hört sich nach nichts an, aber für die Leute bedeutet es viel und es wurde nur wegen Agnes (Großgrundbesitzerin) so aufgetafelt, ging es weiter. Ich wagte einen Blick in das Farmers“haus“. Eine Lehmhütte. Ein Raum mit Matratzen auf dem Boden und einem Ansatz von Küche(ein paar Schüsseln). Keine Elektrizität, kein Wasser, kein Fenster. Er erzählt stolz, dass er hier drin mit seinen 4 Brüdern lebt.





Im Dorfzentrum, drei Hütten und eine Schule wurden wir schon erwartet. Agnes und der Schulleiter zeigten uns die „Räumlichkeiten“. Sie erzählte mir im Vorfeld, „Wenn du denkst, dass unsere Kinder Nichts haben, dann will ich dir diese Schule zeigen.“

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Und sie hatte Recht. Einsturz gefährdete Mauern. Räume ohne Fenster, Türen. Geschweige denn Tische, Stühle oder gar einem Fußboden. Die Tafel war an nur einzelnen Stellen nutzbar, die anderen waren bröckelnde Löcher.






Es war ein wirklich armseliger Ort. Unvorstellbar, dass ein Kind hier was lernen kann. Ein Raum ist sogar für zwei Klassen zusammen. Es ist eine Schule für Grund-und Hauptschüler, aber auch zweijährige rannen herum.

Doch wie immer die Schüler waren glücklich. Zuerst starrten sie uns an, aber dann brach das Eis und wir spielten zusammen.

Das faszinierende waren Trinkwasserbrunnen. Die Anlagen und Bohrlöcher, wurden von Japanern errichtet.

Nach einem weiteren Stopp in einem Resort, um einen bekannten von Agnes zu besuchen und die Zimmer zu bestaunen, ging es auf die zweistündige Fahrt zurück nach Entebbe. Natürlich wieder durch den katastrophalen Verkehrs Kampalas.

 
 
 
 
 
 
 
 
 



















Zuhause reif mir meine Nachbarin zu „Sie sind wieder da!“Was? Ich dachte erst morgen. Wie sehr habe ich mich über diesen Moment gefreut. Doch mit jedem Schritt Richtung Haustür, wurde meine Freude vom immer lauter werdenden Geschrei dreier Kinder gedämpft. Aunti und Sainab fielen mir in die Arme. Die Zwillinge nackend und schreiend auf dem Boden, auf dem Sessel heulend Misha. So lernte ich meine vierte Gastschwester kennen. Kleine süße, wenn auch auf die Zwillinge neidische und verwöhnte Maus. Die Kinder beruhigten sich und wir tauschten uns über die vergangene Woche aus. Mariam kommt heute Nacht aus Tansania zurück, doch wünschte sich, dass dann alle Kinder schon da sind. Es ist ja eigentlich auch Wahnsinn. Die kleine 2-jährige war jetzt einen halben Monat bei der Oma. Die vier Monate alten Zwillinge eine Woche getrennt von der Mutter. Das wäre in Deutschland nicht mal vorstellbar, geschweige denn umsetzbar.

Den Geruch von unserem Abendbrot -Heuschrecken- steckt mir immer noch in der Nase. Um acht war es Zeit zu verschwinden und die Mixed Bubble zu treffen. Wir trafen uns im African Village. Heute: fünf 5 ugandische Jungs, eine Japanerin, wir drei deutsche Mädels und später dann noch zwei Engländerinnen, ein paar Uganda und Spanier. Wir gingen nämlich in ein scheint zuerst wie ein Restaurant, Biergarten, später wird aber die überdachte Tanzfläche voll ausgenutzt. Wir hatten riesigen Spaß. Der spanische Pilot, der seit zwei Wochen in Uganda festsitzt, eigentlich im Sudan tätig ist, mit einer der vielen Prostituierten sicher auch.

Ich war wieder froh in der Mixed Bubble zu sein, die Jungs beschützen uns und man kann ausgelassen tanzen.

Mitten in der Nacht setzte ein Sturzregen mit Gewitter ein. Kurzer Stromausfall, dann setzte der Generator ein. Irgendwann verwandelte sich die Tanzfläche in einen Swimmingpool von den aus allen Richtungen eintreffenden Wassermassen.

Der Abend war toll. Um 4 war ich zu Hause, von wegen um 22:00 Uhr ist Sense! J

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen