Mariam bat mich Sumaya in „ihre“ Schule (Victorian High) zu
bringen, weil da ist ja das Projekt: „German Week“. Ich war mit dem Schulleiter
in der Early Learning („meiner“ Schule) verabredet.
Morgens. Sumaya kommt zu mir und macht mir deutlich sie
bräuchte meine Hilfe und führt mich ins Bad. Sie steht vorm Klo „Ich weiß nicht
wie das funktioniert.“ Ich stutze kurz und zeigte ihr jeden Schritt, Sicherheitshalber
auch wie rum man sich drauf setzt.
(Wir haben eine so ganz normale Toilette (wie in Deutschland)
mit Spülkasten.)
Frag mich wie sie das die letzten Tage gemacht hat. Aber bin
stolz, dass sie sich getraut hat mich zu fragen.
Ich schnappe mir meine Tasche und Schuhe „Kanns losgehen?!“
Sie schaut mich mit ihren großen, dunkelbraunen und traurigen Augen an und
sagt: „Ich bleibe zuhause, muss Wäsche waschen.“ Ich sagte, das könne sie
später machen, jetzt ist Schule. Sie „Ich habe nicht mal ein Buch oder Stift!“
Ausreden zählen nicht!
Ich spreche ganz ruhig mit ihr, erkläre, rede ihr gut zu und
gebe ihr einen Glücksbonbon! Sie lässt sich drauf ein und wir gehen zur Schule.
Ich zeige ihr alles, Toiletten, Lehrer, die anderen Schüler. Leider waren erst
drei da. Den anderen beiden Volontären erkläre ich kurz die Situation, wenn was
ist sollen sie mich anrufen. Sumaya setzten ihren starren Blick auf und die
Lippenformation zeigte mir, wie unwohl sie sich fühlt. Ich hoffe, dass sie sich
mit den anderen versteht und gehe zu meiner Schule.
Dort kommen alle Kinder angerannt. „Teacher, Teacher,
Teacher!!!“ (wie man hier vom Nichts zum Lehrer wird, ist schon geil) Naja alle
fallen mir um den Hals und fragen wie lange ich bleibe, sie bereiten gerade
einen Tanz vor und ich müsse doch bleiben.
Später spreche ich mit den Lehrern über das Projekt und sie
stehen der Sache „Irgendwas an die Wände zu malen“ ehr skeptisch gegenüber.
Finden, aber die Idee gut Plakate, die an den Wänden hängen im Unterricht zu
nutzen. Ich bin am überlegen und umplanen.
Ich eile los, um Sumaya von der Schule abzuholen und Heim zu
bringen.
Jacob ist da. Wir quatschen. Die Kinder sind noch drin. Dann
kommt Saskia raus und sagt, dass das Mädchen weg ist. -Seit wann? „Kurz nachdem
du los bist, war ich kurz draußen und sie war weg.“
Ich eile nachhause. Auf einem Sack vor der Haustür in ihrer
schlafähnlichen Starre liegt Sumaya. „Was ist passiert?“ Sie erklärt mir, dass
es doch die falsche Klassenstufe gewesen wäre und beschloss zu gehen. Ich erklärte
ihr zum tausendsten Mal, dass es ein Projekt ist, an dem die ganze Schule
teilnimmt.
Ich schneide uns eine Ananas auf und versuche mit ihr zu
reden.
Wo ist eigentlich Bashir und warum bin ich hier der
Babysitter????
Mariam meldet sich auch nicht. Aber ich hab in der Schule erfahren,
dass der Flug überbucht war und sie große Probleme hatte überhaupt abzureisen.
Sumaya versucht mit einem Stück Plastik das Feuer in Gange
zu bringen, um zu kochen. Ich helfe ihr und erkläre; und gehe zurück zur
Schule.
Agnes war zur verabredeten Zeit natürlich nicht da. „Sie ist
gefahren und wir wissen nicht ob sie wiederkommt“ sagt das Sekretariat. Ich rufe
an - Sie komme gleich.
Zwei weiße Frauen sitzen im Auto und stellen sich auf
gebrochenem Deutsch vor. Zwei niederländische Flugbegleiterinnen. Die eine
brachten wir ins Hotel zurück, die andere „Astrid“ begleitete uns. Sie arbeitet
für eine niederländische Fluggesellschaft und hat nur einen 24 Stunden Stopp
hier. Sie ging mit ihrer Kollegin spazieren, hörte in unserer Schule die Kinder
singen und kam rein. Agnes bot ihnen gleich mal eine kleine Stadtrundfahrt an
und führte sie zu Stränden und in den Botanischen Garten.
Wir, Agnes, Astrid, Irene und ich fuhren in den Laden um Farbe
zu kaufen. Leider gab es keine Farbe, dafür fanden wir Schulplakate (Insekten,
menschl. Körper, Buchstaben, Zahlen) Perfekt! Eins kostete umgerechnet 35ct
Astrid zahlte, wir kaufte 20!
Über Irena habe ich schon durch Agnes einiges erfahren. Sie
fährt zu Gefängnissen und spricht mit den Häftlingen. Dieses sind meist
alleinstehende Frauen und wenn sie Sorgen haben, wie z.B. ein Kind, das „draußen“
lebt, nimmt Irene diese auf und versucht sie z.B. in unserer Schule
unterzubringen. Ich freue mich riesig sie kennenzulernen und erzähle ihr wie
eines „ihrer“ Kinder heute Morgen zu mir kam und so ganz nebenbei erzählte,
dass sie im Waisenhaus lebt, weil ihre Mutter jemanden umgebracht hat und sie
dankbar ist hier zu sein.
Auch Agnes hatte heute
Morgen einen Konflikt mit einer Mutter, die Prostituierte ist. Das Kind hat
sich bei Agnes Zuhause versteckt, weil sie nicht mehr zu ihrer Mutter will.
Der Nachmittag war sehr bereichernd und ich liebe das Gefühl
der Herausforderung.
Wo ist das Saxophon versteckt?
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