Montag, 10. Dezember 2012

10 Dezember ´12


Mariam bat mich Sumaya in „ihre“ Schule (Victorian High) zu bringen, weil da ist ja das Projekt: „German Week“. Ich war mit dem Schulleiter in der Early Learning („meiner“ Schule) verabredet.

Morgens. Sumaya kommt zu mir und macht mir deutlich sie bräuchte meine Hilfe und führt mich ins Bad. Sie steht vorm Klo „Ich weiß nicht wie das funktioniert.“ Ich stutze kurz und zeigte ihr jeden Schritt, Sicherheitshalber auch wie rum man sich drauf setzt.

(Wir haben eine so ganz normale Toilette (wie in Deutschland) mit Spülkasten.)

Frag mich wie sie das die letzten Tage gemacht hat. Aber bin stolz, dass sie sich getraut hat mich zu fragen.

Ich schnappe mir meine Tasche und Schuhe „Kanns losgehen?!“ Sie schaut mich mit ihren großen, dunkelbraunen und traurigen Augen an und sagt: „Ich bleibe zuhause, muss Wäsche waschen.“ Ich sagte, das könne sie später machen, jetzt ist Schule. Sie „Ich habe nicht mal ein Buch oder Stift!“ Ausreden zählen nicht!

Ich spreche ganz ruhig mit ihr, erkläre, rede ihr gut zu und gebe ihr einen Glücksbonbon! Sie lässt sich drauf ein und wir gehen zur Schule. Ich zeige ihr alles, Toiletten, Lehrer, die anderen Schüler. Leider waren erst drei da. Den anderen beiden Volontären erkläre ich kurz die Situation, wenn was ist sollen sie mich anrufen. Sumaya setzten ihren starren Blick auf und die Lippenformation zeigte mir, wie unwohl sie sich fühlt. Ich hoffe, dass sie sich mit den anderen versteht und gehe zu meiner Schule.

Dort kommen alle Kinder angerannt. „Teacher, Teacher, Teacher!!!“ (wie man hier vom Nichts zum Lehrer wird, ist schon geil) Naja alle fallen mir um den Hals und fragen wie lange ich bleibe, sie bereiten gerade einen Tanz vor und ich müsse doch bleiben.

Später spreche ich mit den Lehrern über das Projekt und sie stehen der Sache „Irgendwas an die Wände zu malen“ ehr skeptisch gegenüber. Finden, aber die Idee gut Plakate, die an den Wänden hängen im Unterricht zu nutzen. Ich bin am überlegen und umplanen.

 Irgendwann kommt Agnes (Leiterin). Ich beschreibe ihr den Stand der Dinge. Sie würde es gut finden die Wände zu bemalen und vielleicht zusätzlich Plakate zu nutzen. Wir verabreden uns nachmittags Farbe kaufen zu fahren.

Ich eile los, um Sumaya von der Schule abzuholen und Heim zu bringen.

Jacob ist da. Wir quatschen. Die Kinder sind noch drin. Dann kommt Saskia raus und sagt, dass das Mädchen weg ist. -Seit wann? „Kurz nachdem du los bist, war ich kurz draußen und sie war weg.“

Ich eile nachhause. Auf einem Sack vor der Haustür in ihrer schlafähnlichen Starre liegt Sumaya. „Was ist passiert?“ Sie erklärt mir, dass es doch die falsche Klassenstufe gewesen wäre und beschloss zu gehen. Ich erklärte ihr zum tausendsten Mal, dass es ein Projekt ist, an dem die ganze Schule teilnimmt.

Ich schneide uns eine Ananas auf und versuche mit ihr zu reden.

Wo ist eigentlich Bashir und warum bin ich hier der Babysitter????

Mariam meldet sich auch nicht. Aber ich hab in der Schule erfahren, dass der Flug überbucht war und sie große Probleme hatte überhaupt abzureisen.

Sumaya versucht mit einem Stück Plastik das Feuer in Gange zu bringen, um zu kochen. Ich helfe ihr und erkläre; und gehe zurück zur Schule.

Agnes war zur verabredeten Zeit natürlich nicht da. „Sie ist gefahren und wir wissen nicht ob sie wiederkommt“ sagt das Sekretariat. Ich rufe an - Sie komme gleich.

Zwei weiße Frauen sitzen im Auto und stellen sich auf gebrochenem Deutsch vor. Zwei  niederländische Flugbegleiterinnen. Die eine brachten wir ins Hotel zurück, die andere „Astrid“ begleitete uns. Sie arbeitet für eine niederländische Fluggesellschaft und hat nur einen 24 Stunden Stopp hier. Sie ging mit ihrer Kollegin spazieren, hörte in unserer Schule die Kinder singen und kam rein. Agnes bot ihnen gleich mal eine kleine Stadtrundfahrt an und führte sie zu Stränden und in den Botanischen Garten.

Wir, Agnes, Astrid, Irene und ich fuhren in den Laden um Farbe zu kaufen. Leider gab es keine Farbe, dafür fanden wir Schulplakate (Insekten, menschl. Körper, Buchstaben, Zahlen) Perfekt! Eins kostete umgerechnet 35ct Astrid zahlte, wir kaufte 20!

Danach fuhren wir noch an einen Strand, wo Agnes Ehemann ein Café besitzt. Leider konnte ich ihn nicht kennenlernen, habe schon so viele „nette“ Dinge über ihn gehört. Dafür habe ich erfahren, dass auch noch ein Hotel mit dranhängt, wo doch vielleicht Teresa´s Papa für einen guten Preis unterkommen könnte…  ;-)

Über Irena habe ich schon durch Agnes einiges erfahren. Sie fährt zu Gefängnissen und spricht mit den Häftlingen. Dieses sind meist alleinstehende Frauen und wenn sie Sorgen haben, wie z.B. ein Kind, das „draußen“ lebt, nimmt Irene diese auf und versucht sie z.B. in unserer Schule unterzubringen. Ich freue mich riesig sie kennenzulernen und erzähle ihr wie eines „ihrer“ Kinder heute Morgen zu mir kam und so ganz nebenbei erzählte, dass sie im Waisenhaus lebt, weil ihre Mutter jemanden umgebracht hat und sie dankbar ist hier zu sein.

 Auch Agnes hatte heute Morgen einen Konflikt mit einer Mutter, die Prostituierte ist. Das Kind hat sich bei Agnes Zuhause versteckt, weil sie nicht mehr zu ihrer Mutter will.

Der Nachmittag war sehr bereichernd und ich liebe das Gefühl der Herausforderung.

 

Wo ist das Saxophon versteckt?


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