Sonntag, 16. Dezember 2012

2. Wochenende


Es tat gut wieder mit Mariam reden zu können. Wir erzählten über die vergangene Woche und dass sie jetzt versuchen will Misha an die Zwillinge zu gewöhnen.

Meine zweijährige Gastschwester liebt die Geschenketüte, die ich für sie zusammengestellt habe. So habe ich jetzt einen Schatten, der mir auf Schritt und Tritt folgt, ob im mein Zimmer, ins Bad, beim Essen. Sie ist total süß. Ich denke, dass auch die Eifersucht auf die Zwillinge nachvollziehbar ist, doch es scheint eine schwere Zeit zu sein, um ihr Regeln zu vermitteln. Mein Gastvater versucht das mit der Hilfe seines Hausschuhs. Zum Glück scheint Mariam gegen die Erziehungsmethoden zu sein, jedenfalls war es ihr sehr unangenehm mir gegenüber.  

Ob in Schulen oder auch daheim ist hier in Uganda das Schlagen von Kindern ein gängiger Weg, um sich als Erwachsener Respekt zu verschaffen.



Die zwei Nachmittage und Abende verbrachten wir am Strand. Es war ja auch Bombenwetter.

 
Heute Morgen ging ich zu einem „Gottesdienst“, besser gesagt in die Early Learning School. Da wird von Gästen, der Schuldirektorin und natürlich auch von den Kindern jeden Sonntag ein bis zu zweistündiger Gottesdienst gestaltet.

Das Singen und Tanzen, war mal ein ganz anderer Weg, eine solche Zeremonie zu  gestalten. Die Dankbarkeit, die man von den Lehrern und Schülern jeden Tag erfährt entsteht genau hier und ob man religiös ist oder nicht, Dankbar zu sein für das was man hat, macht das Leben um so vieles schöner und leichter.





Zuhause trudelte heute Aunti´s Nachfolgerin ein. Ich wusste ja schon, dass Aunti uns nach Weihnachten verlassen wird, was mir so leid tut, aber sie hat die Möglichkeit eine andere Arbeit zu bekommen.
 
Unsere Speisekarte fürs Wochenende:

 
Mary, ist der Name des neuen Hausmädchens. Mit den Kindern geht sie gut um. Alles andere wird ihr in den nächsten Wochen gezeigt. Sie scheint ganz nett zu sein und ich bin froh, dass auch sie über 20 sein müsste. In den anderen Familien ist es nämlich meist  so, dass die Mädchen zwischen  12 und 18 sind. Somit nicht zu Schule gehen. So wie auch Jané, das Hausmädchen meiner Nachbarin. Sie freut sich immer unheimlich wenn wir uns sehen, auch wenn das alles ehr verhalten abläuft wenn Fiona (die Mutter der Familie) dabei ist. Gestern traf ich Jané, um 21:00 Uhr auf der Straße mit 7 Wasserkanistern bepackt. Ich half ihr diese an einem Wasserhahn aufzufüllen und nachhause zu schleppen. Spaßend fragte ich, ob die Familie die Wasserrechnung nicht bezahlt habe. Leider bestätigte sie, dass dies wirklich der Grund ist, warum ihnen das Wasser abgestellt wurde.

Zurück zu uns. Ich habe heute mal durchgezählt und wir sind jetzt zu zehnt in unserem immer noch zwei-Zimmer-Haus (drei-, mit Wohnraum).

 

 

 
...
Heute Nacht wurde ich vom Gewitter und den sturzartigen Regengüssen geweckt. „Da war wohl wieder jemand schwul!“

Es tut mir im Herzen weh die unfassbar schrecklichen Tatsachen, wie man hier mit Homosexualität umgeht zu erfahren, doch es ist Zeit das hier in Uganda nicht nur kritische sondern sogar verbotene Thema Homosexualität auch in meinem Blog anzusprechen.

Meine Eröffnungsthese könnte ein realer Wortlaut sein. Die Menschen hier sind streng gläubig, doch leider nicht sonderlich aufgeklärt.

Wie in so vielen Religionen kommt es auch im Christentum auf die Interpretation eines Buches an. Die bestimmt zu 80% vertreten Christen in Uganda (z.T. in Sektenähnlichen Vereinigungen wie „Born again“) behaupten Stellen in der Bibel nachweisen zu können, wo steht, dass Gott keine Homosexualität duldet. So wären Regenfälle, die die aus Lehmerde bestehenden Straßen in schlammige Rutschbahnen verwandelt seine Strafe für homosexuelle Aktivitäten auf Erden.

Doch diese Meinungen sind nicht nur in den Köpfen der Menschen, sondern sie werden aktiv vertreten, sogar vor den obersten Gerichten.

Homosexualität ist strafbar! Es wird über Todesstrafen gesprochen. Provokationen enden mit Toten! Menschen werden ihrer Freiheit beraubt und verfolgt.

Willkommen im 21. Jahrhundert!

Die öffentlichen Medien, wie z.B. die Nachrichten gestern Abend tragen Schlagzeilen, wie „Sollen wir dem westlichen Druck nachgeben und Homosexualität akzeptieren? Schickt uns eure Meinungen“. Eine wahre Hetzerei.

Meine Chance meine Gastfamilie (Muslimisch) darauf anzusprechen.

Auch sie sind gegen die Legalisierung, da es nicht gut für Afrika wäre. Alles aus Europa und den U.S.A kommende wird als chic und modern angesehen und wenn man Homosexualität akzeptieren würde, würden hier ja alle Jugendlichen schwul werden. 

Das klingt ja fast so, als wäre Homosexualität, wie das Tragen eines T-Shirts für eine Saison, weil es gerade im Trend ist?!?

Ich wäre fast vom Boda gefallen als ich zwei händchenhaltende Männer auf der Straße gesehen habe. Ich fragte die Anderen und sie erklärten mir, da es hier ja keine Homosexualität gibt, ist es vollkommen normal, dass Männer Händchenhalten… und das ist es wirklich!


Ich bin der festen Überzeugung, dass Gott oder auch Bibelstellen ein friedliches Miteinander auf Erden als Hauptaussage tragen und hoffe auf Aufklärung gegen Diskriminierung.






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