Donnerstag, 3. Januar 2013

Der schöne Norden Ugandas



Jja Jja („Oma“) Agnes, eine unfassbar sympathische Frau, die an der Early Learning arbeitet, erzählte mir von der anstehenden Hochzeit ihrer Tochter. „Es wäre so schön wenn ich dir mein Zuhause zeigen und zur Hochzeit einladen könnte“. Sie kommt aus dem Norden Uganda´s, doch ich scheue mich ja nicht davor eine Reise anzutreten. Hals über Kopf organisierten wir alles und donnerstagmorgens um sieben treffen wir uns um den Bus nach Kampala zu nehmen. Entebbe liegt noch im Nebel. Saskia, eine Volontärin war mit von der Partie, sowie einer der jüngsten „Schüler“ der „Early lerning“, Steve, 3 Jahre alt; der außerdem Jja Jjas Enkel ist. Betty, eine Frau von einer Kirche in Entebbe begleitete uns ebenfalls. So quetschen wir vier Frauen und Steve uns auf die 4 für uns reservierten Plätze des Überlandbus Richtung Arua.Es war heiß und so eng, dass uns nur unsere aneinander klebenden Körper auf den Sitzen hielten.

„Sauberkeit, keine Hühner im Bus und wer sich eins durch Fenster geben lässt, fliegt raus“, brüllte der Fahrer durch den Bus. „Wer will für uns beten?“ Jja Jja steht neben mir auf und alle anderen 60 Passagiere senken den Kopf und wir beten für eine sichere Reise.

Mit offener Tür ging die Fahrt los, die Fenster kann man auch nicht schließen. Je weiter wir Richtung Norden fahren, desto heißer wird es. Jja Jja bringt uns einige Worte auf Alur bei und erzählt ergreifende Geschichten über das Land und ihre Vergangenheit.

Wir passieren den Murchinson Falls National Park, den Nil und immer wenn der Bus hielt, kamen Scharen von Menschen mit Mangos, Nüssen, gegrilltem Mais, Getränken und anderen Leckereien, die sie uns verkauften, oder Baboons (Affen) die sich diese von uns erbetteln wollten.




8 Stunden, 500 km später und total, durchgeschwitzt erreichen wir Nebbi, eine Kleinstadt, in der auch die Hochzeit stattfindet und nahe dem Dorf in dem Jja Jja aufgewachsen ist. Mit Boda Boda´s fahren wir zum Krankenhausgelände und stoppen an einer der Personalunterkünfte. Jja Jjas Schwager, Zahnarzt im Krankenhaus heißt uns herzlich Willkommen in seinem Haus. Er stellt uns seiner Familie vor und wir beten zusammen. Nach und nach kommen alle anderen Verwandten vorbei und drängen sich in das kleine Wohnzimmer, um uns zu begrüßen. Alle geben sich größte Mühe englisch zu sprechen und wir fühlen uns sehr willkommen.

Wir ziehen weiter durch die Krankenhaus-Personalunterkünfte. Ich kaufe 20 Mango´s für umgerechnet 0,40 Euro.

In einem anderen Quater kehren wir in eine Wohnung ein. Betty (Kirchenfrau aus Entebbe), Saskia und ich sitzen auf der Couch und quatschen. Nach einer halben Stunde fragen wir uns, wer hier eigentlich wohnt und was hier machen?!?

Jja Jja kommt und erklärt, dass wir hier schlafen werden und wir lernen die Eigentümerin, Winny kennen. Sie ist alleinstehend, daher wurde sie gebeten uns unterzubringen (Sie ist keine Verwandte und näher Bekannte der Familie).

Wir beten, essen Abendbrot, besprechen den Ablauf der nächsten Tage und tauschen Geschichten unserer so unterschiedlichen Leben aus. Saskia und ich sollen im großen Bett schlafen, Winny schläft auf dem Boden vor unserem Bett, Jja Jja im Wohnzimmer auf dem Boden. Man kann machen was man will, aber hier wird Gastfreundschaft ganz groß geschrieben!!!

Steve, der ja Jja Jja Enkel ist, kommt von hier. Sein Vater wollte die Mutter (Jja Jjas Tochter) umbringen, diese ist weggerannt und hat den Mann und ihre drei Kinder verlassen. Der Vater ist dann gestorben und somit sind die drei Elternlos. Steve und seine Schwester sind daher auf unserer Schule.




Am Freitag morgen nahm mich Winny mit ins Krankenhaus. Sie ist Krankenschwester und wir sprachen viel über den Beruf, so dass sie mich einlud sie zu begleiten.





Sie arbeitet in einer HIV-Aids-Abteilung und ist für die Aidsprophylaxe von Säuglingen verantwortlich. Sie zeigte mir ihr Büro und die erste Patientin kam. Der Säugling ist 1,5 Monate alt, wiegt knapp 3.000g und ist 49 cm klein. Die Mutter HIV-positiv. Sie und das Kind nehmen täglich Medikamente, sodass der Virus nicht über die Muttermilch das Kind infiziert.
so wird der kleine Parient gewogen

der entscheidende Tropfen
Winny nimmt eine Nadel und sticht in das streichholz-kleine Fingerchen des Säuglings, um einen Aidstest durchzuführen. Ich kann mir meine Tränen nicht mehr zurückhalten.

Die Blutkarte wird am nächsten Tag nach Kampala geschickt und getestet. … Ich würde gern das Ergebnis wissen und drücke die Daumen.    

Dann besuchten wir Winny´s Freundin, die gerade eine Schwangerschaftsuntersuchung durchführte. Sie stellte mich allen vor und es geht weiter durch das komplette Krankenhaus. So sah ich alle Stationen und deren Stationsschwestern und Ärzte. Beim Durchlaufen des Krankenhauses, sah ich Dinge, die ich nie vergessen werde. Die Männer-, Frauen- oder auch Kinderstation sind große Räume mit 40 Betten und Menschen mit allen möglichen Krankheiten. Es war interessant die Röntgenvorrichtungen zu sehen. 

Nachdem ich von meinen Flipflops in ein anderes Paar Bade-latschen geschlüpft bin, landete ich direkt in den OP-Sälen, dann in das Sterilisationszimmer und ich beschloss, dass ich nie in ein ugandisches Krankenhaus eingeliefert werden möchte. Nach der Säuglingsstation, auch ein großer Raum mit 30 Betten und 30 Frauen + Familienangehörigen, die ihre Neugeborenen stillten, sich versuchten von der Geburt zu erholen oder auf diese warteten, gingen wir weiter und bevor ich mich versah stand ich Mitten im Kreißsaal  wo gerade zwei Frauen mit der Geburt kämpften. Einige weitere Bilder in meinem Kopf, die ich wohl nicht mehr loswerde. Ich wünsche „Viel Glück“ und wir verlassen die aufgeheizten Krankenhaus-räume.




In der Unterkunft warten schon Jja Jja und Saskia auf mich und wir machen uns auf den Weg in Jja Jjas Dorf. Unsere Gastgeschenke sind Zucker, Reis und Mangos. Nachdem sich die Familie 2 Jahre nicht gesehen hatte, war die Wiedersehensfreude groß. Doch auch einige schlimme Nachrichten warteten auf Jja Jja. Ihre Schwester liegt mit Gebärmutterkrebs im Krankenhaus und ihre Mutter hat ein Geschwür im Hals, das solange kein Doktor in die Stadt kommt immer größer wird und ihr schon die Stimme genommen hat. Sie erklärt uns, dass sie nun ihr Leben in Gottes Hände gelegt hat und wartet auf die Dinge die kommen. Nach und nach verstehe ich, warum die Menschen hier so streng gläubig sind und bewundere, wie sie mit all den schrecklichen Situationen und Verlusten umgehen.
Die Mama

Man lernt „normale“ Dinge zu schätzen.















Das Dorf besteht aus kleinen Lehmhütten, die mit Grasdächern gedeckt sind. Es gibt kein fließend Wasser und keinen Strom. Die Leute sind sehr freundlich und interessiert. Unter einem schattenspendenden Baum sitzen wir auf Bambusmatten und eine der Frauen möchte einige Fragen loswerden.



















 „Teresa, bist du verheiratet?“ Ich erkläre: „deutsche Beziehung“, das ist immer meine Notlüge!

„… Aber wie viele Kühe zahlt man in eurem Land?“ Ich denke an Papas Gänse und neben der Empörung muss ich mir ein Schmunzeln verkneifen. Wir erklären!

„Aber wie viele Kinder hast du?“ Ich schüttele den Kopf;

Sie: „Aber du bist 23!“

Sie ist 35 Jahre alt und wiegt gerade ihren Enkel im Arm. Wir lenken zum Thema „Jahreszeiten und Ackerbau in Deutschland“ Dat jeht immer!

 Nach und nach kommen Vertreter aus jeder „Grasdachhütte“ und begrüßen uns. Es ist ein aufregender Tag.
Baby´s schlafen überall

Die Grundschule in "Koch"
Später besichtigen wir die Kirche und die Schule (ähnelnd einer Ruine) des Dorfes. Nur wenige können das Schulgeld zahlen und die Menschen jeder Alltagsklasse sehnen sich nach einer Schulbildung.




 Meist ist es mir unangenehm und es fällt mir schwer den Menschen hier zu erklären, dass jedes Kind in Deutschland zur Schule gehen darf oder sogar muss.

Transportwege finden
Wie das Krankenhaus in Nebbi, wird auch das Dorf von Amerikaner unterstützt. Sie übernehmen Schulgelder oder haben sogar das Krankenhaus errichtet und unterstützen mit Medikamenten. Das Krankenhaus ist staatlich und das Personal wird vom Staat gezahlt. Eine Krankenschwester verdient 500.000 Schilling (150 Euro) und bekommt die Unterkunft für umsonst, das ist ein sehr gutes Gehalt für Uganda.

erfinderisch... Spielzeugauto aus einer Flasche




Der Tag war emotional und anstrengend. Ich weiß nicht, wie vielen Menschen ich die Hand geschüttelt habe und vorgestellt wurde. Es war sehr interessant. Unser Plan am Sonntag abzureisen wurde von der Einladung ins Dorf zurückzukommen und unserem Interesse an einer Übernachtung in einer Grasdachlehmhütte verworfen.





Zurück in Nebbi, erfahren wir von der Nachbarin, dass Winny abreisen musste, um nach ihrer kranken Tante zu sehen. So sind wir allein im Haus einer eigentlich fremden Frau.

Es klopft an der Tür und der psychisch kranke Mann, der letzte Nacht vor unserer Haustür geschlafen hat, schenkt uns Bohnen. „Man darf sie nicht wegscheuchen“ hatte uns Winny schon am Morgen erklärt, als wir fragten wer unter unserem Fenster geschlafen hat. Jja Jja ist es nicht ganz geheuer, doch er scheint freundlich zu sein und schlägt wieder sein Lager auf den Steinen auf.   





Die Hochzeit.

bügeln kann man überall
 Um 07:30 Uhr klingelte unser Wecker, auch wenn ich schon eine halbe Stunde vorher hochschreckte, weil im Zimmer nebenan so laut gebetet wurde. „Um 10:00 Uhr müssen wir in der Kirche sein und vorher viel essen, weil es erst im späten Nachmittag wieder etwas gibt!“ So der Plan!

Um 09:30 Uhr waren die Damen immer noch im Salon und die Braut schaute im gemütlichen Gewand vorbei! … Uganda eben!

Hochzeitsgäste in der Kirche
Wir halfen Jjajja sich in Schale zuschmeißen und sie glänzte wie ein Engel.

der Bräutigam mit seinem Gefolge
11:30 wir erreichten die „Kirche“. Bambusstangen stellten die Wände da und rohe Holzstämme hielten das dezente Dach.

und auch die Braut kam noch vorbei
Eine kleine Gospelband stand vorn und sang ausdrucksvoll…super Atmosphäre, auch wenn es ganzschön heiß war. Wir durften in der zweiten Reihe sitzen. Irgendwann kam dann der Bräutigam, mit seinem Gefolge und ….irgendwannnnnn die Braut mit den Blumenmädchen. Und das Warten hat sich gelohnt. Die Braut war wunderschön und die gesamte Zeremonie beeindruckend.

das Paar wird gesegnet
Es wurde gesungen, gebetet, gesprochen, Ringe getauscht, unterschrieben, gesegnet. Doch hätte mich keine aufgeklärt, würde ich heute noch in der Kirche stehen und auf den Kuss warten, der in der streng-christlichen-Kirche natürlich wegfiel.



























Danach fuhren wir kurz nachhause und wollten eigentlich die Kleider wechseln, doch es war zu heiß um im traditionellen Kleid zu gehen.

Wir erreichten eine Wiese am Rande der Kleinstadt und unter Zelten mit wehenden Tüchern fand die Feier statt.

„Miss, für euch habe ich einen Platz direkt hinter dem Pastor reserviert“ Saskia und ich folgten ihm, einmal über die Schaubühne und er platzierte uns schräg neben dem Brautpaar auf den mit einzigen gepolsterten Sitzen auf dem ganzen Gelände.


Vor uns die Bühne auf der Lieder und Tänze präsentiert und die Hochzeitstorte aufgebaut wurden. Neben uns die Dorfkinder, die vom „Security“ Mann mit einem Stock immer zurückgescheucht wurde, dass sie der Hochzeitsgesellschaft mit all dem vielen Essen nicht zu nahe kommen. Sie starrten uns an. Ich fühle mich unwohl in der Rolle der reichen weißen Frau.






Die Torte wurde verteilt, jeder bekam ein kleines Stück.

Sechs Torten wurden extra eingepackt und an besondere Personen vergeben, der Pastor, natürlich! Eine Organisation bekam auch eine, wie nett! Doch wir fielen vom Glauben ab, als das Brautpaar unter den Augen der 300 Gäste eine Torte zu uns zwei Muzungus brachte, die sie erst seit zwei Tagen kennen. Die Augen der Kinder am Rande wurden nun immer größer, alle anderen starrten uns auch an und unsere Köpfe waren sicher hochrot, weil wir bis heute nicht wissen womit wir das verdient haben. Nur wegen ein paar Pigmenten weniger auf der Haut??!
die Dorfkinder dürfen nur zuschauen
aus Mülltüten gebastelte Puppe

Später kam es zur Geschenkübergabe. Einzelne Paraden, wie die Familie des Bräutigams reihten sich auf und mit dem Beginn der Musik tanzten sie Richtung Geschenketisch und übergaben, die Geschenkkartons. Das Besonderer jeder Gruppe war, dass eine geschmückte Ziege mit dem ersten Mann ging und die Geschenkempfangs-Leute die Ziege, wie jedes andere Geschenk registrierten.

Mit dem Sonnenuntergang um 19:00 Uhr war die Party vorbei.

Winny, die von ihrer Mutter zurückkam nahm uns in Empfang und fragte uns zwei, ob wir mit ihr in ein Pub gehen wollen. Nach unserer Brause sind wir Erschöpfung ins Bett gefallen.


Sonntag - Arua

Nun waren wir von der großen Stadt im Nordwesten Ugandas so nahe, dass wir beschlossen die eine Stunde Fahrzeit aufzunehmen und diese zu besichtigen.

Arua
Saskia und ich machten uns in aller Frühe auf und allein die Fahrt war es schon wert. Es ist einfach wunderschön. Bergketten, Täler, grüne Hänge, Graslandschaften, traumhafte Szenen, fantastisch. Angekommen, genossen wir es mal Zeit für uns zu habe, einen Kaffee zu trinken und erkundeten dann die Stadt. Eine Nebenstraßen und wir waren mitten in den Slums, dann standen wir vor einem riesigen Friedhof und die mit einem Fluss gezierte Landschaft sah so einladend aus, dass wir einen kleinen Spaziergang machen wollten. Kinder spielten, kleine Siedlungen von Lehmhütten und die Frauen kochten auf Feuerstellen und andere wuschen die Wäsche im Fluss. Mit jedem Schritt mit dem wir uns vom Stadtzentrum entfernten starrten uns die Menschen mehr an. Die ersten fragten wo wir hinwollen, die nächsten schickten ihre Kinder, dass sie den zwei Muzungus, die sich in ihren Augen auf jeden Fall verlaufen haben wieder auf den richtigen Weg bringen. Wir hatten keine Wahl, sie führten uns zwischen den Häusern hindurch Richtung Stadt und es wurden immer mehr Kinder. Alle schauten. Es war nett und gleichermaßen schrecklich. Wir erreichten die Stadt mit mindestens 30 Kindern. Einige mutige versuchten uns anzufassen. Zum Schluss gaben wir allen die Hand, sie freuten sich, wir waren überfordert und tauchten in das Getümmel des Marktes ab.

Fantastisch, es hatte etwas Orientalisches und der Markt war schöner als die in Kampala oder Entebbe und wir fanden einige Schnäppchen.











Die Rückfahrt nach Nebbi, war sehr interessant. Wir hatten einen tollen Fahrer und andere nette Passagiere und genossen das Panorama. Wir holten unsere Sachen von Winny, verabschiedeten uns und gaben ihr ein kleines Geschenk als Dankeschön. Dann machten wir uns mit einem Boda auf den Weg in Jja Jjas Dorf.

Dort wurden wir schon erwartet und es war ein tolles Gefühl.
Winnie aus Nebbi

Jja Jja war noch mit den Hochzeitsnachbereitungen beschäftigt; so gingen wir auf einen Spaziergang. Compassion, einer der Neffen begleitete uns.

Das Gefängnis ohne Mauern und Zäune
Zuerst gingen wir zum Bohrloch, von dem aus alle Bewohner des Dorfes ihr Wasser holen. Wir wollten noch weiter und er erzählte uns, dass es hier ein Gefängnis gibt, das wir besichtigen können. Wir waren in der schönsten Natur, weite Wiesen, die Bergketten, keine Zivilisation und dann ein Gefängnis??! Naja, wenn´s auch nicht passt, klang es trotzdem interessant. Wir machten uns auf und erreichten nach einigen Kilometern Feldweg eine kleine Häusergrupper. „Das ist das Gefängnis“ erklärte der Junge. Unfassbar! Keine Zäune, keine Mauern und überhaupt gar kein Gefängnischarme! Das Gefängnis bestand aus einer Reihe Lehmhütten, in denen die Betreuer mit ihren Familien wohnen und eine Reihe, mit Zinkhütten, die die Zellen darstellen sollen.

Der Wärter begrüßte uns freundlich und wir wurden all unsere Fragen los. Er führte uns rum, die Gefangenen, die mit Sporttrikots bekleidet waren, grüßten höflich. Wir schauten in die Zellen. Nach einem Pfiff, gliederten sich alle in ihrer Sardinenbüchsen ein und die Türen wurden verschlossen. Die Gefangenen müssen selber kochen und bauen gerade ein Gefängnisgebäude für die zukünftigen Gefangenen.

Wir gingen noch ein Stück weiter zu einem Fluss, der ein Seitenarm des Nils ist. Kinder standen im Wasser und spielten oder wuschen sich oder ihre Fahrräder, wir genossen die Abenddämmerung, die Kinder beobachteten die zwei Weißhäuter und trauten sich nach und nach mit uns zu sprechen.

Auf dem Rückweg erklärt Saskia einigen der Kinder, dass wir aus Deutschland kommen. „Noch nie gehört!“ Leider aber auch noch nichts von Europa. Das mit den „Kontinenten“ fanden sie wohl ganz spannend und „Afrika und Uganda“ war den meisten zum Glück ein Begriff.

Unser Wanderführer ist 21 Jahre alt. Seine Familie hat gerade wieder etwas Geld, so dass er in die 8. Klasse gehen kann. Er will mal Mechaniker werden, erzählt er mir stolz.

Zurück im Dorf ist es schon fast dunkel. Wegen der Giftschlangen und Skorpione müssen wir Schuhe tragen. Auf der Feuerstelle vor der Hütte kocht der Reis und wir schnippeln Gemüse bis nichts mehr zu sehen und nur noch die afrikanische Nacht zu hören ist. Nach dem Essen präsentieren wir den Hochzeitskuchen und alle fallen drüber her. Jja Jjas Mutter, sowie einige Kinder sprechen nur Alur, doch wir verstehen uns auch ohne Worte. Ich ziehe den Hut vor der Mutter, wie sie in einer Lehmhütte ohne Strom und Wasser in ihrem hohen alten das Leben meistert.

Auf der Schilfmatte lassen wir uns zurückfallen und fühlen uns unter dem Dach des 100000000 Sterne Hotel entspannt und geborgen. Auch die Toilette ist unter freiem Himmel. Die Nacht verbringen wir auf einer Matte in der Grasdachlehmhütte. Die Geräusche der Dunkelheit sind aufnahmefähig für eine Entspannungs-CD!

Unterm Moskitonetz in der Grasdachhütte schlafen
Nebbi
Im Morgengrauen müssen wir raus, um rechtzeitig in die Stadt zu gelangen und den Bus am Montagmorgen nach Kampala zu nehmen. Wir versuchen uns davon zu schleichen, doch einige kommen noch schnell zu dem Boda geeilt, um sich von uns zu verabschieden. Wir sind unfassbar glücklich und dankbar diese Erfahrung gesammelt zu haben.

Es war komisch all die netten Leute zu verabschieden und zurück in die wirre Hauptstadt Kampala zu kommen oder in die viel zu schöne Stadt Entebbe, weit weg vom richtigen Afrika.



















Der Nil





Frischfisch

Die seit 20 Jahren tot gelegte Eisenbahnlinie Ugandas
Der Nil

Trotzdem freute ich mich nach Hause zu kommen. Misha kam mir schon entgegen gerannt und auch die anderen wollten die Geschichten hören. Das 10-jährige Zwillingspaar von Mariams Schwester war auch da, die Mama hat am Wochenende entbunden und so sind jetzt alle bei uns. Ich wasche meine Wäsche, denke über die vielen Dinge, die passiert sind nach und packe meine Sachen für den Ausflug mit den Volontären.



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