Jja Jja („Oma“) Agnes, eine unfassbar sympathische Frau, die
an der Early Learning arbeitet, erzählte mir von der anstehenden Hochzeit ihrer
Tochter. „Es wäre so schön wenn ich dir mein Zuhause zeigen und zur Hochzeit
einladen könnte“. Sie kommt aus dem Norden Uganda´s, doch ich scheue mich ja
nicht davor eine Reise anzutreten. Hals über Kopf organisierten wir alles und
donnerstagmorgens um sieben treffen wir uns um den Bus nach Kampala zu nehmen.
Entebbe liegt noch im Nebel. Saskia, eine Volontärin war mit von der Partie,
sowie einer der jüngsten „Schüler“ der „Early lerning“, Steve, 3 Jahre alt; der
außerdem Jja Jjas Enkel ist. Betty, eine Frau von einer Kirche in Entebbe
begleitete uns ebenfalls. So quetschen wir vier Frauen und Steve uns auf die 4
für uns reservierten Plätze des Überlandbus Richtung Arua.Es war heiß und so
eng, dass uns nur unsere aneinander klebenden Körper auf den Sitzen hielten.
„Sauberkeit, keine Hühner im Bus und wer sich eins durch
Fenster geben lässt, fliegt raus“, brüllte der Fahrer durch den Bus. „Wer will
für uns beten?“ Jja Jja steht neben mir auf und alle anderen 60 Passagiere
senken den Kopf und wir beten für eine sichere Reise.
Mit offener Tür ging die Fahrt los, die Fenster kann man
auch nicht schließen. Je weiter wir Richtung Norden fahren, desto heißer wird
es. Jja Jja bringt uns einige Worte auf Alur bei und erzählt ergreifende
Geschichten über das Land und ihre Vergangenheit.
Wir passieren den Murchinson Falls National Park, den Nil
und immer wenn der Bus hielt, kamen Scharen von Menschen mit Mangos, Nüssen,
gegrilltem Mais, Getränken und anderen Leckereien, die sie uns verkauften, oder
Baboons (Affen) die sich diese von uns erbetteln wollten.
Wir ziehen weiter durch die Krankenhaus-Personalunterkünfte.
Ich kaufe 20 Mango´s für umgerechnet 0,40 Euro.
Jja Jja kommt und erklärt, dass wir hier schlafen werden und
wir lernen die Eigentümerin, Winny kennen. Sie ist alleinstehend, daher wurde
sie gebeten uns unterzubringen (Sie ist keine Verwandte und näher Bekannte der
Familie).
Wir beten, essen Abendbrot, besprechen den Ablauf der
nächsten Tage und tauschen Geschichten unserer so unterschiedlichen Leben aus.
Saskia und ich sollen im großen Bett schlafen, Winny schläft auf dem Boden vor
unserem Bett, Jja Jja im Wohnzimmer auf dem Boden. Man kann machen was man
will, aber hier wird Gastfreundschaft ganz groß geschrieben!!!
Steve, der ja Jja Jja Enkel ist, kommt von hier. Sein Vater
wollte die Mutter (Jja Jjas Tochter) umbringen, diese ist weggerannt und hat
den Mann und ihre drei Kinder verlassen. Der Vater ist dann gestorben und somit
sind die drei Elternlos. Steve und seine Schwester sind daher auf unserer
Schule.
Am Freitag morgen nahm mich Winny mit ins Krankenhaus. Sie ist Krankenschwester und wir sprachen viel über den Beruf, so dass sie mich einlud sie zu begleiten.
Sie arbeitet in einer HIV-Aids-Abteilung und ist für die Aidsprophylaxe von Säuglingen verantwortlich. Sie zeigte mir ihr Büro und die erste Patientin kam. Der Säugling ist 1,5 Monate alt, wiegt knapp 3.000g und ist 49 cm klein. Die Mutter HIV-positiv. Sie und das Kind nehmen täglich Medikamente, sodass der Virus nicht über die Muttermilch das Kind infiziert.
| so wird der kleine Parient gewogen |
| der entscheidende Tropfen |
Die Blutkarte wird am nächsten Tag nach Kampala geschickt und
getestet. … Ich würde gern das Ergebnis wissen und drücke die Daumen.
Nachdem ich von meinen Flipflops in ein anderes Paar Bade-latschen geschlüpft bin, landete ich direkt in den OP-Sälen, dann in das Sterilisationszimmer und ich beschloss, dass ich nie in ein ugandisches Krankenhaus eingeliefert werden möchte. Nach der Säuglingsstation, auch ein großer Raum mit 30 Betten und 30 Frauen + Familienangehörigen, die ihre Neugeborenen stillten, sich versuchten von der Geburt zu erholen oder auf diese warteten, gingen wir weiter und bevor ich mich versah stand ich Mitten im Kreißsaal wo gerade zwei Frauen mit der Geburt kämpften. Einige weitere Bilder in meinem Kopf, die ich wohl nicht mehr loswerde. Ich wünsche „Viel Glück“ und wir verlassen die aufgeheizten Krankenhaus-räume.
| Die Mama |
Man lernt „normale“ Dinge zu schätzen.
Das Dorf besteht aus kleinen Lehmhütten, die mit Grasdächern
gedeckt sind. Es gibt kein fließend Wasser und keinen Strom. Die Leute sind sehr
freundlich und interessiert. Unter einem schattenspendenden Baum sitzen wir auf
Bambusmatten und eine der Frauen möchte einige Fragen loswerden.
„… Aber wie viele Kühe zahlt man in eurem Land?“ Ich denke
an Papas Gänse und neben der Empörung muss ich mir ein Schmunzeln verkneifen.
Wir erklären!
„Aber wie viele Kinder hast du?“ Ich schüttele den Kopf;
Sie: „Aber du bist 23!“
Sie ist 35 Jahre alt und wiegt gerade ihren Enkel im Arm.
Wir lenken zum Thema „Jahreszeiten und Ackerbau in Deutschland“ Dat jeht immer!
Nach und nach kommen
Vertreter aus jeder „Grasdachhütte“ und begrüßen uns. Es ist ein aufregender
Tag.
| Baby´s schlafen überall |
| Die Grundschule in "Koch" |
Meist ist es mir
unangenehm und es fällt mir schwer den Menschen hier zu erklären, dass jedes
Kind in Deutschland zur Schule gehen darf oder sogar muss.
| Transportwege finden |
| erfinderisch... Spielzeugauto aus einer Flasche |
Der Tag war emotional und anstrengend. Ich weiß nicht, wie vielen Menschen ich die Hand geschüttelt habe und vorgestellt wurde. Es war sehr interessant. Unser Plan am Sonntag abzureisen wurde von der Einladung ins Dorf zurückzukommen und unserem Interesse an einer Übernachtung in einer Grasdachlehmhütte verworfen.
Zurück in Nebbi, erfahren wir von der Nachbarin, dass Winny
abreisen musste, um nach ihrer kranken Tante zu sehen. So sind wir allein im
Haus einer eigentlich fremden Frau.
Die Hochzeit.
| bügeln kann man überall |
Um 09:30 Uhr waren die Damen immer noch im Salon und die
Braut schaute im gemütlichen Gewand vorbei! … Uganda eben!
| Hochzeitsgäste in der Kirche |
| der Bräutigam mit seinem Gefolge |
| und auch die Braut kam noch vorbei |
| das Paar wird gesegnet |
Danach fuhren wir kurz nachhause und wollten eigentlich die Kleider wechseln, doch es war zu heiß um im traditionellen Kleid zu gehen.
Wir erreichten eine Wiese am Rande der Kleinstadt und unter
Zelten mit wehenden Tüchern fand die Feier statt.
„Miss, für euch habe ich einen Platz direkt hinter dem
Pastor reserviert“ Saskia und ich folgten ihm, einmal über die Schaubühne und er
platzierte uns schräg neben dem Brautpaar auf den mit einzigen gepolsterten
Sitzen auf dem ganzen Gelände.
Die Torte wurde verteilt, jeder bekam ein kleines Stück.
| die Dorfkinder dürfen nur zuschauen |
| aus Mülltüten gebastelte Puppe |
Später kam es zur Geschenkübergabe. Einzelne Paraden, wie
die Familie des Bräutigams reihten sich auf und mit dem Beginn der Musik
tanzten sie Richtung Geschenketisch und übergaben, die Geschenkkartons. Das
Besonderer jeder Gruppe war, dass eine geschmückte Ziege mit dem ersten Mann
ging und die Geschenkempfangs-Leute die Ziege, wie jedes andere Geschenk
registrierten.
Mit dem Sonnenuntergang um 19:00 Uhr war die Party vorbei.
Winny, die von ihrer Mutter zurückkam nahm uns in Empfang
und fragte uns zwei, ob wir mit ihr in ein Pub gehen wollen. Nach unserer
Brause sind wir Erschöpfung ins Bett gefallen.
Sonntag - Arua
Nun waren wir von der großen Stadt im Nordwesten Ugandas so
nahe, dass wir beschlossen die eine Stunde Fahrzeit aufzunehmen und diese zu
besichtigen.
| Arua |
Dort wurden wir schon erwartet und es war ein tolles Gefühl.
| Winnie aus Nebbi |
Jja Jja war noch mit den Hochzeitsnachbereitungen
beschäftigt; so gingen wir auf einen Spaziergang. Compassion, einer der Neffen
begleitete uns.
| Das Gefängnis ohne Mauern und Zäune |
Der Wärter begrüßte uns freundlich und wir wurden all unsere
Fragen los. Er führte uns rum, die Gefangenen, die mit Sporttrikots bekleidet
waren, grüßten höflich. Wir schauten in die Zellen. Nach einem Pfiff,
gliederten sich alle in ihrer Sardinenbüchsen ein und die Türen wurden
verschlossen. Die Gefangenen müssen selber kochen und bauen gerade ein
Gefängnisgebäude für die zukünftigen Gefangenen.
Auf dem Rückweg erklärt Saskia einigen der Kinder, dass wir
aus Deutschland kommen. „Noch nie gehört!“ Leider aber auch noch nichts von
Europa. Das mit den „Kontinenten“ fanden sie wohl ganz spannend und „Afrika und
Uganda“ war den meisten zum Glück ein Begriff.
Unser Wanderführer ist 21 Jahre alt. Seine Familie hat
gerade wieder etwas Geld, so dass er in die 8. Klasse gehen kann. Er will mal
Mechaniker werden, erzählt er mir stolz.
Auf der Schilfmatte lassen wir uns zurückfallen und fühlen
uns unter dem Dach des 100000000 Sterne Hotel entspannt und geborgen. Auch die
Toilette ist unter freiem Himmel. Die Nacht verbringen wir auf einer Matte in
der Grasdachlehmhütte. Die Geräusche der Dunkelheit sind aufnahmefähig für eine
Entspannungs-CD!
| Unterm Moskitonetz in der Grasdachhütte schlafen |
| Nebbi |
Es war komisch all die netten Leute zu verabschieden und
zurück in die wirre Hauptstadt Kampala zu kommen oder in die viel zu schöne
Stadt Entebbe, weit weg vom richtigen Afrika.
| Der Nil |
| Frischfisch |
| Die seit 20 Jahren tot gelegte Eisenbahnlinie Ugandas |
Trotzdem freute ich mich nach Hause zu kommen. Misha kam mir schon entgegen gerannt und auch die anderen wollten die Geschichten hören. Das 10-jährige Zwillingspaar von Mariams Schwester war auch da, die Mama hat am Wochenende entbunden und so sind jetzt alle bei uns. Ich wasche meine Wäsche, denke über die vielen Dinge, die passiert sind nach und packe meine Sachen für den Ausflug mit den Volontären.
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